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Die Umgebung des Tales der Eure, wo EZY gebaut wurde, ist seit vorgeschichtlicher Zeit bevölkert. Das "FORT HARROUARD" oberhalb von "Pré-Ballu" auf einem Bergvorsprung, der das Tal überragt wurde dann später römisches Lager. Die vorgeschichtlichen Werkzeuge vom Saum des Waldes von DREUX, die Hünengräber von MARCILLY und von COCHERELLE sind ebenfalls Zeugnisse hierfür.
Von EZY im Mittelalter weis man nur, dass es ein armer kleiner Ort auf seiner Insel (der heutige Teil "de l'Ile") um seine Kirche war. Diese letztere (sie stammt aus dem 11. Jahrhundert) existierte noch vor 20 Jahren, wurde aber seit 1940 anderweitig verwendet, nachdem der Hauptbalken im Chor eines Sonntags vor dem Gottesdienst eingestürzt ist. Man behauptet selbst, dass es im 17. Jahrhundert noch eine prächtige Kirche und zwei Kapellen in EZY gab. Die Pfarrkirche soll eine von diesen Kapellen gewesen sein.
- Saint-Germain-la-Truite -
Das Besiedeln fand in jedem Fall in sehr alter Zeit statt, wie die Legende von Saint-Germain-la-Truite beweist. An diesem Ort sprudelte oben auf dem Berg eine Quelle (sie sprudelt immer noch) und floss in ein Becken, in dem Forellen waren. Im 5. Jahrhundert (man nimmt das Jahr 445 an) kam ein junges Mädchen an diese Quelle, um seine Wäsche zu waschen und ihm wurde dabei die Hand von einem dieser Fische abgebissen. Dem Bischof von AUXERRE (oder von Paris, wie einige sagen) der durch EZY fuhr, wurde die verstümmelte vorgestellt, und dieser glaubte, dass ein Wunder an der Stelle geschehen sei. Die Einwohner von EZY errichteten aus Dankbarkeit eine Kapelle, die noch existiert (kürzlich erst erneuert) und an der Stelle entstand eine kleine religiöse Gemeinde, die nachher der Abtei von IVRY angegliedert wurde. Jedes Jahr, am 2. Sonntag im Mai, am Tage Saint-Germain-la-Truite fand eine Wallfahrt mit Singmesse nach der Kapelle statt. Später auf den 3. Sonntag im Mai verlegt, dann in den September, fand diese Veranstaltung bis 1938 statt. Sie gab den Anlass für ein weltliches Fest, zu dem Bettler und Krüppel zusammenkamen und während langer Zeit hat sich der Brauch erhalten, Kinder mit Rachitis und Flechten in das Wasser der Quelle zu tauchen.
Aber eine andere Legende, die vielleicht auf der Darstellung des Standbildes von Heiligen Germain basiert, das sich noch in der Kapelle befindet und an dem ein Unterarm fehlt, findet mehr Anklang. Als der Heilige Bischof durch EZY kam, wurde er von dem Herrn eingeladen, der ihm dann eine Forelle mit einer so vorzüglichen Soße servierte, dass Germain, von sündhafter Gefräßigkeit sie mit seinen Fingern nach und nach so gierig ausleckte, dass sich sein Unterarm abnutzte!
EZY besteht, außer seiner Insel, noch aus anderen verschiedenen Weilern: BEAUREGARD, COUTUMEL und besonders CROIX-PAGEOT, das später zu einer selbständigen Gemeinde wurde. Diese Teile waren unter sich durch Pfade verbunden : die Schubkarren-Pfade. Sie sind veranschaulicht in den Namen: Pfad der Jungfrau Maria, jetzt die Straße Fontaine, Pfad der närrischen Jungfrauen (!). EZY hat sich aus diesen alten, gewundenen Pfaden entwickelt : die jetzige Straße Pasteur, früher rue des Champs. Die Straße Aristide Briand, deren alter Verlauf von der Geradheit der neuen Strassen von EZY abweicht (rue Isambard, rue de la République), die mit dem Bau der Eisenbahn abgelegt wurde. Aber nehmen wir nichts vorweg.
Die Tätigkeit der Einwohner von EZY war verschieden. Bauern und besonders Winzers (aber ja !) währen der guten Zeit. Sie stellten Holzschuhe aus Buchenholz und Kämme aus Buchsbaum oder Eberesche in der schlechten Zeit her. Nach und nach spezialisierten sie sich zu Winzern und Kammmachern; dieses war besonders zur Zeit der Revolution.
Obwohl man keine genauen Überlieferungen von dieser Zeit besitzt, könnte man doch glauben, dass die Einwohner von EZY nicht so sehr unter ihrem Schicksal litten. Sie hatten gewiss ihren Teil an den Kriegen und seinem Unheil zu tragen, aber obwohl abhängig bis 1766 von den Äbten von IVRY, sind sie doch teilweise der Härte der Zeit und den königlichen Steuern entronnen.
Aus dieser Zeit gibt es kaum Hinweise, nur sehr oft köstliche Geschichten und Legenden, aber schwer zu beweisen. Einer davon erzählt von einem unterirdischem Gang, der das Kloster von Saint-Germain-la-Truite mit dem Bauernhof "Ferme aux Moines" einem großen befestigten Hof verbindet, in dem man den Ursprung des Tempels sieht, der das Tal auf der anderen Seite der Eure oberhalb von Oulins überragt. Nach nicht bestätigten Behauptungen, aber sie können einen gewissen Wert haben, soll das Tal der Eure eine Durchgangsstrasse für die Templer gewesen sein. Die Strasse führte von La Rouchelle (Hafen für Templer nach Dieppe, vorbei an Gisors, der Templer-Hochburg.
Endlich hat einer von uns wahrhaftig 500 m von Saint-Germain entfernt, auf der Höhe eines Hügels, eine Aushöhlung gefunden, die eine Spur des erwähnten unterirdischen Ganges sein könnte.
Im 19. Jahrhundert hat sich EZY schnell entwickelt. Waren es 1831 noch 709 Einwohner, zählte es gegen 1880 schon 1116 und 1850 Einwohner am Anfang unseres Jahrhunderts. Dieses Gedeihen hing viel mit der Kammherstellung zusammen.
- Ezy, Weltstadt der Kämme -
Wir haben es schon vorher gesagt, die Herstellung der Holzkämme war seit alter Zeit die nebenberufliche Arbeit der Winzer und Holzschuhmacher. Sie gingen zu Fuß nach Paris, um dort ihre Ware zu verkaufen. Für die Strecke benötigten sie einen Tag und eine Nacht, und liefen dabei ein paar Holzschuhe ab. Am Anfang waren es einzelne Handwerker, gegen Mitte des 17. Jahrhunderts schlossen sie sich zu einer Innung zusammen, einer Innung, die Sainte-Barbe zum Schutzpatron wählte. Dieser Heilige kam vorbei, um sich mit Eisenkämmen peinigen zu lassen. Am 4. Dezember, am Tage Saint-Barbe, fanden sich die Kammmacher und Winzer in den Kellern zu ausschweifenden Festen zusammen die nichts frommes an sich hatten.
War es zuerst das Holz, so wurden die Kämme nun aus Horn hergestellt: Zuerst der Huf vom Pferd, dann die Klaue von der Kuh, nachher die Hörner der Ochsen oder der Büffel. Im Jahre 1835 André Jourdain, ein Sohn von EZY, den Weg gefunden, das Horn mit Hilfe einer Spirale zu zerlegen, es am Holzfeuer weich zu machen und mit einer Holzpresse in senkrechte Platten zu pressen. Die Qualität der Kämme wurde immer besser. Sie wurden von spezialisierten Arbeitern hergestellt, die man an ihren großen blauen Schürzen, die ihnen Rumpf und Taille einschnürten, und an den Schildmützen erkannte. Ein guter Arbeiter stellte 12 Kämme am Tage her, natürlich mit all den dazugehörigen notwendigen Arbeiten.
Im Jahre 1849 fand, mit der Erfindung der mechanischen Kreissäge, eine Kleine Revolution statt. Da diese auf einem beweglichen Schlitten montiert war, konnte man die Zähne direkt in den Kamm sägen, eine Arbeit, die bisher mit der Hand gemacht wurde. Die Motorkraft wurde wurde von "Cage à écureuil" (d. h. Eichhörnchenkasten = Tretrad) erzeugt. Um das Rad zu drehen, setzte man einen Hund hinein, daher auch die "Hunde von EZY", wie sie zum Spott von den Einwohnern von ANET und anderen Nachbarn gerufen wurden.
Später machte man sich die Wasserkraft zu Nutze (an einem Arm der Garonne, der den Ortsteil l'Ile umfließt) dann den Benzin-Motor und schließlich am Anfang dieses Jahrhunderts den Elektro-Motor.
Die gute Qualität der Kämme von EZY war weit über alle Grenzen bekannt. Die Erzeugnisse gingen bis nach Amerika. Schildplatt und Elfenbein wurden ebenfalls bearbeitet und werden es heute noch.
Aber durch die Entdeckung der plastischen Werkstoffe, Zelluloid im Jahre 1895 (die Kammmacher mussten von nun an aufhören zu rauchen, da Zelluloid sehr leicht entflammbar ist; sie verlegten sich nun auf das Schnupfen und Priemen), galalith, kurz vor 1914, Rhodoid kurz darauf, ging dem Dorf praktisch seine Monopol-Stellung verloren. Die Konkurrenz wurde groß, und den härtesten Schlag musste man 1946 bis 1947 hinnehmen, mit der Erfindung des Spritzgusses. Nach und nach schlossen die kleinen Werkstätten. Es bestehen nur noch zwei davon heute, treue Verwahrer handwerklicher Tradition, die dem Ort zu großem Ansehen verhalfen. Aus dieser Zeit stammt ein Stand voll Scharfsinn und sozialem Bewusstsein, Liebe zur guten Arbeit, aber auch voller Stolz, der an dem alten republikanischen Grundsätzen festhält, gesellschaftlich und gläubish, fleißige und unabhängige Arbeiter. Am Anfang des Jahrhunderts sprach man im Eure-Tal von einem "EZY LA ROUGE" (das rote EZY).
Im Nachbarort La Couture-Boussey gibt es einen florierenden handwerklichen Betriebszweig, die Herstellung von Holzblasinstrumenten: Flöten, Klarinetten, Oboen. Es scheint, dass sich die Handwerker von EZY, die bei der Herstellung der Kämme gewonnenen handwerklichen Fähigkeiten zu Nutzen gemacht haben, da sie sich nun auch auf die Herstellung besonders der Oboen spezialisierten. Von diesem Handwerk kommt vielleicht der Hang der Einwohner von EZY zur Musik, der durch die Erschaffung der "Harmonie" (Orchester) zum Ausdruck gebracht wurde, und weit über die Grenzen des Gebietes bekannt wurde.
Seit 1945 sind die Industrie-Zweige, wie auch an vielen anderen Orten, verschiedenartiger geworden. Die traditionellen Handwerker sind fast verschwunden, aber es blieb noch etwas vom alten Geist zurück, eine Art, das Leben so zu nehmen wie es ist. Aber wirklich. Die Fremden, die einige Zeit bei uns verweilen, finden darin einen Gewissen Reiz. Aber ja, man hat es uns gesagt!