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Geschichte

zurück nach oben Zeugen einer früheren Besiedlung

Die in den Fluren der Großgemeinde Brensbach in verschiedenen Bereichen gefundenen Faustkeile und Steinbeile (technisch ausgereifte Werkzeuge der Steinzeit), die bronzezeitlichen Hügelgräber im Oberwald, am Ortsrand von Brensbach und Keramikscherbenfunde, darunter Terra sigillata (gestempelte Tonware der römischen Kaiserzeit), belegen, dass hier Menschen verschiedener Völkerschaften siedelten und sesshaft waren.

zurück nach oben Brensbach und der Weiler Mummenroth

Das in bevorzugter Lage des oberen Gersprenztales liegende Brensbach gehört sicher zu den ältesten Dorfgründungen in dieser Region. Urkundlich erwähnt wird Brensbach erstmals in einem undatierten Nachtrag des Codex Eberhard, den berufene Historiker in der erste Hälfte des 13. Jahrhunderts einordnen.

Kirche

Ab 1257 werden Angehörige des Adelsgeschlechtes von Brensbach ohne Hinweis auf Eigenbesitz in Brensbach genannt. Wenn sich für das wappenführende Geschlecht mit den drei Ringen im Schrägrechtsbalken für diese Zeit auch kein Eigenbesitz in Brensbach nachweisen lässt, kann man doch davon ausgehen, dass die Herren von Brensbach, von denen sich einige Ritter nannten, vormals zu den Dorfherren von Brensbach gehörten. Der spätere Marktflecken Brensbach begegnet uns ab Anfang des 16. Jahrhunderts als Fuldisches Lehen, das sich die Landgrafen von Hessen-Darmstadt mit den Schenken und späteren Grafen zu Erbach unter der Landeshoheit von Kurpfalz und Hessen-Darmstadt teilten.

Hessen-Darmstadt und Kurpfalz ließen ihre Hoheitsrechtre von einem gemeinsamen bestellten Oberschultheiß wahrnehmen, der in die Zent Groß-Umstadt eingebunden war.

Da sich die Landgrafen von Hessen-Darmstadt und die Grafen zu Erbach Brensbach je zu Hälfte als Lehen teilten, bestellten beide Herrschaftshäuser je einen Dorfschultheiß. Der Landgräfliche war dem zu Hessen-Darmstadt gehörigen Amt Lichtenberg, der Gräfliche dem zu Erbach gehörigen Amt Reichenberg unterstellt.

Der heutige Weiler Mummenroth begegnet uns erstmals 1699 im Brenbacher Vogteigerichtsbuch lediglich als Flur ohne Hofstatt.

Urkunde in Stein zum 300jährigen Jubiläum von Mummenroth

Urkunde in Stein - Mummenroth ist über 300 Jahre alt

Nach dem 1734 angelegten Gewannbuch teilten sich das Mummenroth Jakob Hübner und Jakob Ziergiebel je zur Hälfte. Letzterer hatte zu dieser Zeit hier bereits ein Wohnhaus mit Scheune und Ställen. Die Hofstatt wurde nach ihrem Besitzer, "Ziergiebelshof" benannt.

Der von Jakob Hübner bewirtschaftete Anteil findet sich später, mit zugehöriger Hofstatt, in den Händen von Leonhard Schaffnit. Die Aufteilung unter den Erben der beiden Höfe führte letztlich zur Anlegung weiterer Hofstätten in dieser Weilersiedlung.

zurück nach oben Nieder-Kainsbach

Das älteren Berichten zufolge ursprünglich mit einem Bannzaun aus Heckengeflecht umgebene Dorf stößt im Nordosten seiner Bebauungsgrenze, in der Flur Steinmauer, an bauliche Reste aus der römische Besatzungszeit. Mit Brensbach wird dieses Dorf ebenfalls im Nachtrag des Codex Eberhard erstmals urkundlich erwähnt und erscheint späte als Fuldisches Lehen.

1384 gehörte Schenk Eberhard von Erbach das halbe Dorf mit 3,5 Huben und Katzenellenbogen das "Hoffehus", ein größeres Hofgut, das später die Landgrafen von Hessen-Darmstadt und Anfang des vorigen Jahrhunderts durch Kauf in Privatbesitz überging.

zurück nach oben Wersau mit seinen "Gebietsanteilen" an Bierbach und Hippelsbach

Die bei Kanalbauarbeiten im Dorfbereich von Wersau freigelegten Knüppeldämme, aufgefundene steinzeitliche Werkzeuge und die unter dem Chor der dortigen Bergkirche gefundenen Bruchstücke römischer Leistenziegel lassen den Schluss zu, dass sich hier schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen ansiedelten und sesshaft wurden.

1341 wird Wersau erstmals urkundlich erwähnt. Damals verkauften Arrois von Breuberg und seine Ehefrau Gisela, geborene von Falkenstein, alle ihre Einkünfte, Weinberge und sonstigen Güter, die sie in Wersau besaßen, an Eberhard von Breuberg.

Später gehörte Wersau zur Hälfte den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, die andere Hälfte teilten sich Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort und Graf zu Erbach-Schönberg. Letzterer besaß hier ein Hofgut, das durch Kauf in Privatbesitz überging.

Der zu Wersau gehörige Bereich des Weilers Bierbach wird, gleich Wersau, 1314 erstmals urkundlich fassbar. Die Bewohner dieser Weilersiedlung waren und sind bis heute in den geschichtlichen Werdegang des Hauptortes Wersau einbezogen.

 

Blick über Bierbac

Blick über die Bierbacher Dächer

Der zu Wersau gehörige Teil des Weilers Hippelsbach gehört mit zu den jüngsten Siedlungsstätten der Großgemeinde. Zu der um 1764 im Bereich der Gemarkung Groß-Bieberau, an der Grenze zu Wersau hin angelegten Bauernhöfe kamen später, im Bereich Gemarkung Wersau, weiter hinzu. Inzwischen gibt es vier Wohnhäuser bzw. Bauernhöfe auf der Wersauer Seite.

Friedhof von Wersau

zurück nach oben Höllerbach mit dem Schafhof, Wallbach und Affhöllerbach mit Stierbach und dem Weiler Kilsbach

Folgt man der Meinung berufener Siedlungsforscher, gehen die hier genannten, heute ebenfalls zur Großgemeinde Brensbach gehörigen Dorf- und Weilersiedlungen auf die von den Franken eingeleitete Kolonisation zurück, die um 800 ihren Anfang nahm und erst 400 Jahre später zum Abschluss kam.

Als Höllerbach, Wallbach und Affhöllerbach mit Stierbach und Kilsbach ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in kurzen Zeitabständen erstmals ins Blickfeld schriftlicher Überlieferung traten, lag ihre Gründung sicher schon einige Jahrhunderte zurück. Alle waren sie Bestandteil der breubergischen Zent Kirch-Brombach.

Die Grafen von Wertheim und die von Erbach, die später die Herrschaft Breuberg teilten, besoldeten die in ihren Diensten stehenden Vasallen mit Einkünften aus diesen Dorf- und Weilersiedlungen. So begegnen uns in Höllerbach Henchen Starkerad (1408) und Georg von der Jahn (1532). In Wallbach Wortwin von Raibach (1342) und Cuntz Echter (1471). Mit Einkünften aus Affhöllerbach, Kilsbach und Stierbach waren die Gans von Otzberg ab 1439 über Generationen, bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1694 beliehen.

Der einst "herrschaftliche", zur Herrschaft Breuberg gehörige Höllerbacher Schafhof ist heute Privatbesitz. Die Zeit seiner Gründung ist unbekannt. 1780 beschweren sich Höllerbacher und Wallbacher darüber, dass die beiden Schäfer dort zu viele Schafe hielten. 1804 sind Philipp Müller und Conrad Ebert Schäferei-Erbbeständer (Pächter) dieses Schafhofes.

 

Alte Schule in Wallbach

zurück nach oben Bevölkerungsentwicklung unter dem Einfluss von Pestepidemien, Kriegen und Kinderreichtum

Dass unter den Menschen unserer Odenwalddörfer ab dem 15. Jahrhundert, bis in die Zeit des 30 jährigen Krieges hinein, trotz Leibeigenschaft, Frondienst, Zehnt- und Steuerabgaben, allgemeiner Wohlstand herrschte, ist vielfach überliefert. Die Bevölkerung hatte sich vom "Schwarzen Tod", der durch den Rattenfloh übertragenen Pest, die Europa zwischen 1347 und 1352 heimsuchte und Millionen Opfer forderte, schon im 15. Jahrhundert längst wieder erholt.

Fast 300 Jahre später, während des 30 jährigen Krieges überzog die "Pestilenz" erneut, mit verheerenden Folgen unser Land. Besonders im Jahre 1635, während der Erntezeit fielen dieser Seuche die Menschen haufenweise zum Opfer.

1641 lag Wallbach wüst und menschenleer. Am 23. Juni 1643 schrieb der Amtskeller ins Brenbacher Vogteigerichtsbuch: "... (ist) bei diesen Kriegszeiten .... das Dorf Brensbach in solche Armuth gerathen, daß allhier von ehrlichen und fleißigen Vogteileuthen mehr nicht als fünf verblieben." Man schätzt, daß 80 - 90 % der Odenwälder Bevölkerung Opfer der Pest wurden. Als das große Sterben aufhörte, ließ der Graf zu Erbach-Fürstenau in Nieder-Kainsbach die eisernen Ofenplatten von den "abgestandenen" Höfen abholen und nach Gammelsbach zur Verhüttung transportieren.

Daniel Mink, während des 30 jährigen Krieges Pfarrer zu Groß-Bieberau, schrieb u.a. in die dortige Kirchenchronik: "... neben der Kriegsruten schickte Gott uns her die Pestilenz. Die erregte sich im Anfang des 1635. Jahres, da die Hitze sich zu mehren begunnte, da wuchs das Gift gewaltig, und verwendete (verwandelte) sich vorige Hauptseuche in eine giftige Pestilenz, davon die Leute schnell und haufenweise dahinfielen, daß man nicht genug begraben konnte.

... Da starb manch Mensch uffm Land, daß niemand von seinem Tod jechtwas wußte, darum blieben sehr viel und viel lange Zeit unbegraben liegen, daß sie ganz vermürbet und voller Würmer waren. Es lagen oft Kranke bei den Toten im Bette ... darumb wurden von der Obrigkeit Totengräber bestellt, welche hin und wieder uff die Dörfer gehen, die Toten suchen und begraben mußten. Da funden sie etliche, die ganz vermürbt, daß sie solche mit Hacken zu Loch ziehen mußten, etliche hatten die Hunde zerrissen und unkenntbar gemacht... ."

Mit der Pest einher gingen die Greuel dieses unfassbaren Religionskrieges. Pfarrer Mink hielt darüber fest: "Viele verkrochen sich in Wäldern, Höhlen, Klippen etc., waren aber ausgespäht, denn die Soldaten hatten bei sich menschenspürige Hunde, welche, wann sie an Mensch oder Vieh kamen, mit ihrem Bellen die Leute verrieten und den Räuber Anzeig gaben." Der Hunger trieb diese geplagten Menschen, dass sie sich über Aas von gefallenem Vieh hermachten, Hund, Katzen, Frösche und Kröten als "Leckerbissen" betrachteten. Nachdem was Pfarrer Mink in seiner Chronik über diese schreckliche Zeit sonst festhielt, grenzt es schon fast an ein Wunder, dass sich unsere Odenwalddörfer wieder mit Leben füllten.

Die Landesherren schickten Werber mit einem in mehreren Sprachen gedruckten Aufruf an alle ehrlichen Leute von allen Nationen aus, um vor allem Schweizer einzuladen, die im Odenwald wüstliegenden Bauerngüter zu übernehmen.

Mehrere Hundert Schweizer folgten diesem Aufruf, darunter auch Benedict Schantz und Josef Fleckinger aus dem Berner Gebiet. Sie kauften das völlig entvölkerte Dorf Wallbach und wurden 1658/59 als neue Ortsbürger in die Zent Kirch-Brombach aufgenommen.

1670 kaufte der aus dem Kanton Graubünden stammende Caspar Dascher alle zu Wersau gehörigen Güter des Weilers Bierbach für 60 Gulden. Die Kirchenbücher und das Vogteigerichtsbuch weisen aus, woher die vielen Neubürger kamen, von denen sich die meisten in den Ahnenlisten der eingesessenen Bevölkerung wiederfinden.

Großer Kinderreichtum führte dazu, dass schon drei Generationen später alle Häuser wieder aufgebaut, bewohnt und die Bauerngüter besetzt waren.

Der große Kinderreichtum führte letztlich auch zur Überbevölkerung, die vor allem den Besitzlosen Not und Elend bescherte. Es gab keine Verdienstmöglichkeiten, der Boden konnte längs nicht mehr alle ernähren, viele entschlossen sich zur Auswanderung. Bevorzugtes Ziel war Nordamerika. Aus dem Bereich der Großgemeinde verließen im 18. und 19. Jahrhundert weit über 500 Menschen ihre angestammte Heimat.

Die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verstärkt einsetzenden Auswanderung ebbte kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert allmählich wieder ab. An ihre Stelle trat die Abwanderung in die im Aufbau begriffenen Industriegebiete.

Nachdem um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein Geburtenrückgang einsetzte, gab es in den Bevölkerungsstatistiken bis in den 2. Weltkrieg hinein keine wesentlichen Veränderungen. Erst der Zuzug der Heimatvertriebenen in den Jahren 1945/46 ließ die Bevölkerung wieder drastisch ansteigen. Fast Tausend mittellose Deutsche fanden im Bereich der heutigen Großgemeinde eine neue Heimat. Sie waren eine Bereicherung und von Anbeginn dabei, als es darum ging, die Spuren eines schrecklichen, sinnlosen Krieges zu beseitigen.

Wenn sich die Einwohnerzahl zwischen 1939 und 2007 fast verdoppeln konnte, liegt das mit an der Ausweisung zahlreicher Baugebiete, die vielen Neubürgern die Möglichkeit bot, im Bereich der Großgemeinde heimisch zu werden.

 

von Georg Dascher